7 Kommentare zu “Mohngewächse

  1. Hallo Alois, ein Gedicht.

    Der Mohn.

    Wie dort, gewiegt von Westen,
    Des Mohnes Blüthe glänzt !
    Die Blume, die am besten
    Des Traumgotts Schläfe kränzt ;

    Bald purpurhell, als spiele
    Der Abendröthe Schein,
    Bald weiß und bleich, als fiele
    Des Mondes Schimmer ein.

    Zur Wahrnung hört’ ich sagen,
    Daß, der im Mohne schlief,
    Hinunter ward getragen
    In Träume, schwer und tief ;

    Dem Wachen selbst geblieben
    Sey irren Wahnes Spur,
    Die Nahen und die Lieben
    Halt’ er für Schemen nur.

    In meiner Tage Morgen,
    Da lag auch ich einmal,
    Von Blumen ganz verborgen,
    In einem schönen Thal.

    Sie dufteten so milde !
    Da ward, ich fühlt’ es kaum,
    Das Leben mir zum Bilde,
    Das Wirkliche zum Traum.

    Seitdem ist mir beständig,
    Als wär’ es so nur recht,
    Mein Bild der Welt lebendig,
    Mein Traum nur wahr und ächt ;

    Die Schatten, die ich sehe,
    Sie sind, wie Sterne, klar.
    O Mohn der Dichtung ! wehe
    Um’s Haupt mir immerdar !

    Ludwig Uhland (1787 – 1862)
    Aus Gedichte von Ludwig Uhland. 1847.
    »Lieder.

    Viele Grüße 🙂

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